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Euroterminal II mit riesigem Spektakel eröffnet
Feuerzauber und Artistik Dr. Hans-Gert Pöttering überbrachte Botschaft per Video Zehntausende beim "Tag der offenen Tür"
27.10.2007
Über 400 geladene Gäste waren beeindruckt von der Eröffnungsveranstaltung. Und es gab Lob von allen Seiten für die Macher des Euroterminals II in Coevorden, allen voran Peter Hoffmann, den Direktor der Bentheimer Eisenbahn AG. Er hat sich mit der in Europa bisher einmaligen Logistikdrehscheibe auf der deutsch-niederländischen Grenze ein Denkmal geschaffen.
Von Freimuth Schulze
Coevorden. Das eigens für die Eröffnungsfeier errichtete große Festzelt auf dem Terminalgelände war bis auf den letzten Platz besetzt, als Joachim Berends (Bild) als Stellvertreter des Vorstandes des Bentheimer Eisenbahn AG als erster ans Mikrofon trat und den Abend eröffnete. Berends hatte den dreitägigen Veranstaltungsreigen in Coevorden mit seinem Team bis ins Detail geplant und vorbereitet. Dazu gehörte auch der "Tag der offenen Tür", zu dem am vergangenen Sonntag Zehntausende auf das Euroterminal-Gelände an der Grenze zwischen Coevorden und Laar strömten. Ihnen wurde ein interessantes Programm mit vielen Aktionen und Attraktionen geboten und ein Einblick in die tägliche Arbeit auf dem Terminal gegeben.
Als Moderator durch das Programm der Eröffnungsfeier führte der ehemalige Chefredakteur der Deutschen Verkehrszeitung, Frank Schnell. Er sprach von einem "historischen Ereignis, das in die Wirtschaftsgeschichte der Region und darüber hinaus" eingehen werde. Zu diesem Zeitpunkt steuerten bereits zwei Containerzüge auf den Euroterminal II zu: Aus Ludwigshafen bewegte sich der "Malcon P. Mc Lean" Richtung Coevorden, aus Amsterdam/Rotterdam der mehr als 600 Meter lange und mit 75 40-Fuß-Containern beladene Containerzug "Hanze Lijn". Schnell ließ die Gäste auf einem großen Bildschirm zwischendurch immer wieder digital mitverfolgen, wann mit dem Eintreffen der beiden Güterzüge gerechnet werden konnte.
Als erster Redner der Eröffnungsfeier trat der Aufsichtsratsvorsitzende der Bentheimer Eisenbahn AG, Paul Ricken, aufs Podium. Er wies noch einmal darauf hin, dass am 27. September 2006 der Grenzstein entfernt wurde, um den Bau dieser einzigartigen grenzüberschreitenden Terminalanlage zu ermöglichen. Dass dieses Projekt verwirklicht werden konnte, sei ein Erfolg der wachsenden europäischen Einigung und noch vor 50 Jahren undenkbar gewesen. Ricken: "Ich kann voller Stolz sagen, dass hier Europa gelebt und dass hier europäisch gehandelt wird."
Der BE-Aufsichtsratsvorsitzende beleuchtete auch kurz die Entwicklung der Containerschifffahrt. 1969 seien die ersten Containerschiffe der Hapag Loyd für den Nordamerika-Verkehr in See gestochen mit einer Kapazität von 800 20-Fuß-Containern. Heute liefen Schiffe mit einer Kapazität von 10000 Containern mit einer Größe von 20 Fuß die Seehäfen an. Die Bentheimer Eisenbahn habe sich dabei schon frühzeitig ins Geschäft gebracht im Rahmen der Hinterlandverkehre mit Containern von und zu den Seehäfen. Daraus habe sich ein kräftiges internationales Netz für den kombinierten Verkehr entwickelt, in dem der Euroterminal Coevorden ein wichtiger Bestandteil sei. Das Euroterminal habe heute die Funktion eines Hinterlandterminals für die Welthäfen Amsterdam und Rotterdam.
Der Bürgermeister der Gemeinde Coevorden, Bert Bouwmeester, rief dazu auf, die Chancen zu nutzen, die der Euroterminal II biete. Dieser Terminal sei schon heute der am schnellsten wachsende Inlandterminal im Norden. Deshalb müsse nicht nur die Schienenanbindung in den Norden der Niederlande verbessert, sondern auch der Coevorden-Almelo-Kanal ausgebaut und für größere Containerschiffe befahrbar gemacht werden. Bouwmeester empfahl ein Arbeitslosenprojekt, um Personen zu gewinnen, die zukünftig für den Containerverkehr zwischen Almelo und Coevorden sorgen.
Der Grafschafter Landrat Friedrich Kethorn sprach während der Eröffnungsfeier von einem weiteren wirtschaftlichen Schub für den Landkreis durch den Euroterminal II. Kethorn: "In der Grafschaft brummt es. Der Euroterminal II wird seinen Beitrag dazu leisten, dass dies so bleibt. Er wertet die Grafschaft als Logistikstandort weiter erheblich auf." Der Landrat wies nebenbei darauf hin, dass die Grafschaft derzeit die drittbeste Arbeitslosenquote in Niedersachsen habe.
Der Aufsichtsratsvorsitzende des neuen Euroterminals und Geschäftsführer des niederländischen Unternehmens Penske Logistics Europe, Erik van Egmond, sprach angesichts der Terminaleröffnung von einem riesigen Potenzial für die Region, das es jetzt zu nutzen gelte. Die Erweiterung des Coevordener Euroterminals sei nur der erste Schritt zur bestmöglichen Anknüpfung der Region an den Rest der Europäischen Union. Das Abfertigungsvolumen des bereits bestehenden Euroterminals sei von 300000 Tonnen vor vier Jahren auf zuletzt eine Million Tonnen gesteigert worden. Van Egmont: "Mit dem neuen Euroterminal erwarten wir eine Steigerung auf jährlich 2,5 Millionen Tonnen."
Bevor Moderator Frank Schnell mit Peter Hoffmann den Direktor der Bentheimer Eisenbahn AG, Peter Hoffmann, ans Mikrofon bat, stellte er zwischenzeitlich nach den nicht endenden wollenden Lobeshymnen über den Euroterminal und die Region an die Festversammlung gerichtet fest: "Sie scheinen hier in einer Gegend der Glückseligen zu leben." Im "Gespräch auf dem roten Sofa" äußerten sich neben dem aus der Region stammenden CDU-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues, auch einige niederländische Wirtschaftsexperten zu den hervorragenden Zukunftsaussichten des neuen Euroterminals. Dr. Kues: "Europa lebt hier sowohl in verkehrstechnischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht."
BE-Direktor Peter Hoffmann wies vor den vielen geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung darauf hin, dass der Euroterminal II mit 12,5 Millionen Euro die bisher größte Einzelinvestitionsmaßnahme in der mittlerweile 112-jährigen Geschichte der Bentheimer Eisenbahn sei. "Dies ist heute der bedeutendste Tag in unserer langen, traditionsreichen und durchaus auch wechselvollen Unternehmensgeschichte und für mich persönlich der absolute Höhepunkt meines fast 40-jährigen Wirkens als Vorstand und Geschäftsführer im deutschen und internationalen Verkehrswesen", so Hoffmann.
Der Euroterminal Coevorden soll in Kürze nach Schiene und Straße um den dritten Verkehrsträger Wasser ergänzt und damit die Trimodalität des Europaparks und des Euroterminals II hergestellt werden entsprechend des Mottos: "Die Zukunft Europas ist vernetzt, die Zukunft des Europarks trimodal." Der Euroterminal erfüllt laut Hoffmann für alle europäischen Länder eine wichtige Hinterlandfunktion. "Wir sind uns sicher, dass im Europark Emlichheim/Coevorden und damit als potenzielle Kunden für das Euroterminal II in den nächsten Jahren weitere Produktions- und Distributionsbetriebe angesiedelt werden", so Hoffmann.
Der Direktor der Bentheimer Eisenbahn AG bedauerte es, dass mit Dr. Hans-Gert Pöttering der Präsident der Europaparlaments trotz zuvor gegebener Zusage nicht bei den Eröffnungsfeierlichkeiten in Coevorden dabei sein konnte. Er weilte am vergangenen Wochenende in der portugiesischen Hauptstadt, wo der neue EU-Vertrag ratifiziert wurde. Hoffmann habe ihn zähneknirschend für Lissabon freigeben müssen, so Moderator Frank Schnell.
Hans-Gert Pöttering selber meldete sich per Videobotschaft an die Festversammlung. Europa werde mit dem EU-Vertrag weiter zusammenwachsen. Davon werde auch der Euroterminal II profitieren. Der Präsident des Europaparlaments zollte allen große Anerkennung, die am Projekt Euroterminal II beteiligt waren, allen voran aber Peter Hoffmann.Und dann ging es nach draußen. Schließlich standen die Güterzüge Malcon P. Mc Lean" und "Hanze Lijn" bereits vor den Toren Coevordens. Sie wurden wenig später mit einem bunten Feuerwerk und viel Beifall im neuen Euroterminal II empfangen. Kurz darauf lud Dr. Hermann Kues unter professioneller Anleitung und mit schwerem Gerät den ersten Container vom Zug auf einen Lastkraftwagen um. Ehe die Züge komplett auf eine lange Reihe ebenfalls bereits bereitstehender Lastkraftwagen entladen wurden, ließ die Historische IV. Kompanie des Bentheimer Landwehrbataillons mit Böller- und Kanonenschüssen von sich hören. Zum Programm unter dem Abendhimmel von Coevorden gehörte auch das entsprechend musikalisch untermalte spektakuläre Spiel mit dem Feuer, das zwei Berliner Artisten vorführten.
Quelle: www.gn-online.de
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